Automatische Rechtschreibprüfung

Textverarbeitungsprogramme wie Word und Co. erleichtern uns den Alltag. Das Programm unterstreicht ein falsch geschriebenes Wort in rot oder blau und teilt dem Nutzer die richtige Schreibweise mit. So einfach kann es sein, Fehler aufzuspüren. Doch ist das Programm wirklich so schlau? Heute nehme ich die automatische Rechtschreibprüfung genauer unter die Lupe.

Automatische Rechtschreibprüfung: Tippfehler

Tippfehler zu erkennen ist leicht. Sind beispielsweise zwei Buchstaben vertauscht, erkennt das Programm dies in der Regel. Doch es gibt auch Fälle, in denen ein Tippfehler unter dem Radar der automatischen Rechtschreibprüfung bleibt. Folgendes Beispiel verdeutlicht dieses Problem:

Unerkannter Tippfehler

Word bemängelt diesen Fehler nicht, da das Wort "beleibt" ebenfalls zum deutschsprachigen Wortschatz gehört. Die automatische Rechtschreibprüfung erkennt inhaltliche und logische Unstimmigkeiten nicht.

Deutsche Eigenart: Komposita und Bandwurmwörter

Andere Wörter unterstreicht das Programm hingegen rot, obwohl es sich dabei nicht um Fehler handelt. Eine Eigenart der deutschen Sprache sind Komposita, also zusammengesetzte Wörter. Da diese im Wörterbuch allerdings nur als einzelne Lexeme aufgeführt sind, kennt Word diese Zusammenstellungen nicht:

Beliebter Fehler: Trennung von Komposita

Die automatische Rechtschreibprüfung schlägt uns vor, diese Wörter getrennt zu schreiben, also: "Korpus Beschreibung", "Metaphern Theorie", "Tumor Art". Im Gegensatz zu anderen Sprachen ist die getrennte Schreibweise hier allerdings nicht zulässig.

Fachwörter in wissenschaftlichen Publikationen

Der deutsche Wortschatz umfasst nicht nur Wörter aus unserer Alltagssprache. Hinzu kommen fachsprachliche Varietäten, wie beispielsweise die medizinische, juristische oder technische Fachsprache. Solche Wörter werden von der automatischen Rechtschreibkorrektur allerdings häufig als "falsch" angezeigt, da sie der Software nicht bekannt sind:

Fachwort

Da das Wort "Metaphorizität" dem Textverarbeitungsprogramm nicht bekannt ist, wird es rot unterstrichen. Dennoch ist das Wort nicht falsch geschrieben. Ein weiteres Beispiel ist Folgendes:

Falscher Vorschlag: Automatische Rechtschreibprüfung

Die Adjektivierung des Wortes "Gewebe" zu "geweblich" scheint die automatische Rechtschreibprüfung nicht zu kennen. Stattdessen schlägt uns das Programm das Wort "gewerblich" vor, welches in diesem Zusammenhang inhaltlich unpassend wäre.

Automatische Rechtschreibprüfung: Grammatikfehler

Auch auf der grammatikalischen Ebene schaltet sich die automatische Rechtschreibprüfung ein und weist uns auf vermeintliche Fehler hin:

Grammatikfehler

An diesem Beispiel fällt auf, dass die automatische Rechtschreibprüfung nicht den Satzbau des gesamten Satzes berücksichtigt. Die Software erkennt nicht, dass das Wort "die" in "die anatomische Strukturen ... charakterisieren" Teil des Relativsatzes ist, welcher die Metaphern näher beschreibt, sondern geht davon aus, dass es sich als Artikel auf "Strukturen" bezieht. Uns wird also vorgeschlagen, den Satzteil in "die anatomischen Strukturen" zu ändern. Aus dem Relativsatz wird eine Nominalphrase, die grammatikalisch an dieser Stelle falsch ist.

Natürlich ist die automatische Rechtschreibprüfung nicht grundsätzlich schlecht. Sie erkennt zahlreiche Tippfehler und bietet uns eine vorläufige Rechtschreibkorrektur. Das Problem ist nur, dass ein Computer immer nach Schema F arbeitet. Da unsere Sprache allerdings sehr komplex ist und es zahlreiche Abweichungen und Ausnahmen von der Regel gibt, kann eine Software keine zuverlässige Rechtschreibprüfung leisten. Soll das Dokument frei von Fehlern sein, hilft nur ein professionelles Lektorat.